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Nachhaltig einkaufen: Der Eco-Friendly-Shopping-Guide mit Siegeln, Daten & Praxistipps

Eco-friendly shoppen: Welche Siegel wirklich zählen, was Verbraucher in Deutschland laut Umfragen wirklich beachten – und wie du Greenwashing erkennst.

Von Dr. des. Salih Günay(Digitalmedien-Forscher & Gründer)Zuletzt aktualisiert: 25. August 20265 Min. Lesezeit
Person vergleicht Nachhaltigkeitssiegel auf Produktverpackungen beim Einkaufen
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Dr. des. Salih GünayDigitalmedien-Forscher & Gründer

Key Takeaways

  • Laut einer Statista-Consumer-Insights-Erhebung aus Juni 2023 nannten deutsche Konsument:innen bewussten Konsum und umweltschonende Verpackung als zweit- bzw. drittwichtigsten Nachhaltigkeitsaspekt, direkt nach Tierwohl (57 %).
  • 2024 gaben rund 64 % der deutschen Konsument:innen an, bereit zu sein, für nachhaltige Verpackungen einen Aufpreis zu zahlen (Simon-Kucher & Partners) – der Anteil ist seit 2021 tendenziell rückläufig.
  • Eine KPMG-Umfrage zeigt, dass ein relevanter Teil der Verbraucher:innen nachhaltige Produkte nicht konsequent kauft; Hauptgründe sind laut solchen Erhebungen typischerweise Preis und mangelndes Vertrauen in Nachhaltigkeitsangaben.
  • Belastbare Nachhaltigkeitssiegel (z. B. GOTS, OEKO-TEX, Grüner Knopf, EU Ecolabel) beruhen auf extern geprüften, veröffentlichten Kriterienkatalogen – im Gegensatz zu unspezifischen Eigenlabels ohne Zertifizierungsstelle.
  • Second-Hand- und Refurbished-Kauf gilt neben Bio-/Fair-Trade-Siegeln als einer der am klarsten quantifizierbaren Hebel für Konsument:innen, da hier bereits produzierte Ressourcen weitergenutzt statt neue verbraucht werden.

Nachhaltigkeitssiegel im Überblick: GOTS, OEKO-TEX, Grüner Knopf

Bei Textilien kursieren zahlreiche Siegel – die drei bekanntesten im deutschsprachigen Raum unterscheiden sich deutlich in ihrem Prüfumfang:

SiegelPrüftFokus
GOTS (Global Organic Textile Standard)Naturfasern (Bio-Baumwolle, Leinen, Hanf u. a.), gesamte LieferketteBio-Anbau und soziale Standards entlang der Produktionskette; für die Bezeichnung "Bio" sind mind. 95 % Bio-Fasern nötig, für "made with organic" mind. 70 %
OEKO-TEX Standard 100Schadstoffe im fertigen Produkt (Garn, Knöpfe, Zubehör)Schützt in erster Linie Verbraucher:innen vor Schadstoffen – macht keine Aussage zu Anbau- oder Sozialbedingungen
OEKO-TEX Made in GreenSchadstofffreiheit plus umweltfreundliche und sozial verantwortliche Produktionsbedingungen, RückverfolgbarkeitGeht über Standard 100 hinaus, deckt auch Herstellungsprozess ab
Grüner KnopfStaatliches deutsches Siegel; erkennt bestehende Siegel (GOTS, IVN Best, OEKO-TEX Made in Green, Fairtrade Textilstandard u. a.) als Nachweis anKombiniert Unternehmens- und Produktebene, seit Version 2.0 auch für Nassprozesse und Fasern

Kurz gesagt: OEKO-TEX Standard 100 sagt vor allem etwas über Schadstofffreiheit im Endprodukt aus, GOTS zusätzlich über ökologischen Anbau und soziale Bedingungen der Naturfasern, und der Grüne Knopf baut als staatliches Siegel auf mehreren dieser bestehenden Zertifizierungen auf, statt eigene Kriterien von Grund auf neu zu definieren.

Neu ab September 2026: Die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing

Ein für nachhaltiges Einkaufen relevanter regulatorischer Wandel steht unmittelbar bevor: Die EU-Richtlinie (EU) 2024/825, bekannt als EmpCo-Richtlinie ("Empowering Consumers for the Green Transition"), wird ab dem 27. September 2026 in allen EU-Mitgliedstaaten verbindlich angewendet. In Deutschland erfolgt die Umsetzung über eine Novelle des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG).

Was sich für Verbraucher:innen konkret ändert:

  • Pauschale Aussagen wie "klimaneutral", "umweltfreundlich" oder "grün" sind ohne belastbaren Nachweis verboten.
  • Klimaneutralitäts-Werbung, die sich ausschließlich auf CO2-Kompensation stützt statt auf tatsächliche Emissionsreduktion in der eigenen Lieferkette, wird untersagt.
  • Selbst geschaffene Nachhaltigkeitssiegel ohne anerkanntes, unabhängiges Zertifizierungssystem dahinter sind nicht mehr zulässig.
  • Vage Zukunftsversprechen ohne überprüfbaren Umsetzungsplan fallen ebenfalls unter das Verbot.

Für Konsument:innen bedeutet das praktisch: Ab Herbst 2026 lässt sich stärker darauf verlassen, dass ein Nachhaltigkeits-Claim in der Werbung tatsächlich belegt sein muss – Marken, die vage bleiben, verstoßen künftig gegen geltendes Wettbewerbsrecht.

Second-Hand und Refurbished als eigene Kategorie

Neben zertifizierter Neuware ist der Kauf von Second-Hand- oder refurbished Produkten eine der wirksamsten Formen nachhaltigeren Konsums – aus dem einfachen Grund, dass hier keine neue Produktion (mit dem damit verbundenen Ressourcen- und Energieaufwand) nötig ist. Anders als bei Siegeln, die einen Herstellungsprozess bewerten, entfällt bei der Wiederverwendung eines bereits existierenden Produkts der größte Teil der Umweltbelastung von vornherein.

Häufige Fragen