Unverpackt einkaufen: Der Guide für den plastikfreien Einstieg
Unverpackt einkaufen: was das Konzept bedeutet, wie du startest, wo du Unverpackt-Läden findest – und wie plastikarmes Einkaufen auch im normalen Supermarkt gelingt.

Key Takeaways
- ✓Jede:r Bundesbürger:in verursachte 2023 laut Eurostat rund 37,5 kg Plastikverpackungsabfall – damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt von 35,5 kg
- ✓"Original Unverpackt" in Berlin gilt als erster deutscher Unverpackt-Laden (eröffnet 2014) und hat seither eine ganze Bewegung ähnlicher Läden inspiriert
- ✓Der Einstieg gelingt am einfachsten mit wenigen Basics: 2–3 Stoffbeutel, ein bis zwei größere Gläser, eine eigene Trinkflasche
- ✓Unverpackt einkaufen funktioniert nicht nur in spezialisierten Läden, sondern auch im normalen Supermarkt – über Lose-Ware-Regale, Frischetheken und bewusste Produktauswahl
- ✓Nicht jedes Produkt lässt sich unverpackt kaufen – bei stark verderblichen oder hygienesensiblen Waren (z. B. rohes Fleisch) sind Grenzen sinnvoll und akzeptiert
Deutschland liegt beim Plastikverpackungsmüll über dem EU-Durchschnitt: Laut Eurostat verursachte 2023 jede:r Bundesbürger:in rund 37,5 Kilogramm Plastikverpackungsabfall – der EU-Schnitt lag bei 35,5 Kilogramm. Ein großer Teil davon entsteht direkt beim Lebensmitteleinkauf. Unverpackt einkaufen setzt genau hier an.
Was bedeutet "unverpackt einkaufen"?
Beim unverpackten Einkauf werden Produkte lose angeboten – meist in großen Vorratsbehältern, sogenannten Spendern – und in mitgebrachte, wiederverwendbare Gefäße abgefüllt. Bezahlt wird nach Gewicht oder Menge, nicht nach vorverpackter Einheit. Das Konzept stammt ursprünglich aus Frankreich und Großbritannien, wurde in Deutschland aber besonders durch "Original Unverpackt" in Berlin bekannt, das 2014 als erster deutscher Unverpackt-Laden eröffnete und seither zahlreiche ähnliche Läden in anderen Städten inspiriert hat.
Wie fange ich an? Die Basisausstattung
Ein häufiger Einstiegsfehler ist, sich sofort eine komplette Zero-Waste-Grundausstattung zuzulegen. Sinnvoller ist ein schrittweiser Einstieg:
- 2–3 Stoffbeutel für Obst, Gemüse und Brot – meist der einfachste erste Schritt, auch im normalen Supermarkt nutzbar
- Ein bis zwei größere Schraubgläser oder Boxen für Nüsse, Müsli, Hülsenfrüchte oder Waschmittel aus Unverpackt-Läden
- Eine eigene Trinkflasche spart unterwegs Einwegplastik – unabhängig vom Unverpackt-Konzept im engeren Sinn
- Erst danach lohnt sich die Anschaffung spezialisierter Gefäße (z. B. für die Frischetheke), wenn sich der Einstieg im Alltag bewährt hat
Vorhandene, saubere Gläser aus dem Haushalt (z. B. leere Marmeladengläser) eignen sich in der Regel genauso gut wie eigens gekaufte Zero-Waste-Produkte.
Wo unverpackt einkaufen? So findest du Läden in deiner Nähe
Spezialisierte Unverpackt-Läden sind in Deutschland inzwischen in den meisten größeren Städten vertreten, auch wenn die Dichte je nach Region stark variiert. Für die Suche nach konkreten Läden empfiehlt sich:
- Unsere Marken- und Händlerübersicht – dort findest du geprüfte nachhaltige Händler und Marktplätze, unter anderem auch Anbieter mit unverpackten oder plastikarmen Sortimenten
- Der Bundesverband der Unverpackt-Läden führt eine bundesweite Übersicht teilnehmender Läden – eine gute Ergänzung, falls du vor Ort in deiner Stadt suchst und noch keinen Laden in unserer Übersicht findest
Redaktioneller Hinweis: Eine interaktive Karte mit Unverpackt-Läden auf ReCircle Market selbst gibt es aktuell noch nicht – wir verlinken hier auf die bestehende Marken-Seite. Falls gewünscht, kann eine dedizierte Standortkarte als eigenes Feature ergänzt werden.
Unverpackt einkaufen ohne spezialisierten Laden
Nicht überall gibt es einen Unverpackt-Laden in erreichbarer Nähe. Auch im ganz normalen Supermarkt lässt sich Verpackungsmüll spürbar reduzieren:
An der Frischetheke
Viele Fleisch-, Käse- und Fischtheken erlauben es inzwischen ausdrücklich, eigene Behälter mitzubringen – aus Hygienegründen sollte vorher kurz nachgefragt werden, da die Praxis je nach Markt und Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird.
Bei losem Obst und Gemüse
Lose angebotenes Obst und Gemüse in den Stoffbeutel statt in die bereitgestellte Plastiktüte füllen – funktioniert in praktisch jedem Supermarkt ohne Mehraufwand.
Beim Brot
Bäckereien akzeptieren mitgebrachte Stoffbeutel in der Regel problemlos, teils sogar mit kleinem Rabatt als Anreiz.
Bei der Produktauswahl
Wo eine unverpackte Option fehlt, hilft der Blick auf die Verpackungsgröße: Eine große Einheit statt mehrerer kleiner Portionspackungen reduziert das Verpackungs-Produkt-Verhältnis spürbar, auch wenn das Produkt selbst weiterhin verpackt ist.
Beim Getränkekauf
Mehrweg-Glasflaschen statt Einweg-PET wählen, wo regional verfügbar – das Mehrwegsystem in Deutschland ist im europäischen Vergleich vergleichweise gut ausgebaut.
Wo Unverpackt an seine Grenzen stößt
Ein realistischer Blick gehört dazu: Nicht jedes Produkt eignet sich für den unverpackten Kauf. Bei stark verderblichen oder besonders hygienesensiblen Lebensmitteln – etwa rohem Fleisch oder Fisch in manchen Verkaufsstellen – sind Verpackungsvorgaben aus Lebensmittelsicherheitsgründen sinnvoll und sollten nicht als Rückschritt verstanden werden. Auch bei stark verarbeiteten Produkten (z. B. bestimmten Fertigprodukten) gibt es aktuell oft schlicht keine unverpackte Alternative. Zero Waste im Sinne einer Reduktion, nicht eines absoluten Verzichts, bleibt auch hier das realistischere Ziel.
Nächste Schritte
Wer den Einstieg ins unverpackte Einkaufen geschafft hat, findet praktische Anschlussthemen in unseren Guides zu Zero Waste Küche und Zero Waste Badezimmer.